Start St. Blasius/St. Martinus St. Bartholomäus St. Marien

Historie der Filialkirche Maria Königin Obersalbach-Kurhof

Schon 1626 wird in einer Beschreibung des nassauisch crichingischen Anteils im gemeinschaftlichen Ort Obersalbach von nassauschen Beamten in einer “Hauptansicht” des Dorfes eine Kapelle auf dem Flürchen dargestellt.
Obwohl die Visitationsprotokolle unserer damaligen “Pfarrei Reisweiler” keinen Aufschluss über diese Kapelle geben, haben mit Sicherheit die wenigen Bewohner des Dorfes diese Stätte der Verehrung und des Glaubens gemeinsam errichtet und gepflegt.
Vielleicht war sie auch Zuflucht während des 30-jährigen Krieges und musste später aus baulichen oder pfarrlichen Gründen wieder aufgegeben werden.

Aus den Jahren 1865-1968 sind uns Vorgänge und Maßnahmen überliefert, die in Obersalbach erstmals sowohl Schul- als auch Gottesdienst in der neu errichteten Schulkapelle an der Kurhofer Strasse ermöglichten. Den Quellen ist zu entnehmen, dass die notwendigen Vorarbeiten sowie ein Teil der Bauarbeiten von den Dorfbewohnern selbst ausgeführt wurden. Mit dem 1936 neu errichteten Schulhaus an der Saarlouiser Strasse auf Kurhofer Bann verlor die Schulkapelle ihre Doppelfunktion und war nun nur noch Gotteshaus, aber Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen, Trauungen, Kindtaufen und Beerdigungen fanden weiterhin in der Pfarrkirche in Reisweiler statt.
Glaubenskraft und Mut zur Selbsthilfe zeigten die Christen in Obersalbach-Kurhof anfangs der 50er Jahre, als sie beschlossen, die baufällige Schulkapelle aufzugeben und an ihre Stelle eine neue Kirche zu bauen.

Unter der Leitung des am 27.01.1952 gegründeten Kapellenbauvereins wurden nach Zustimmung des Generalvikariats in Trier in mühevoller, freiwilliger Arbeit die alte Kapelle abgerissen, der Bauschutt abtransportiert, die Fundamente für die neu Kirche aufgehoben und betoniert, die Steine für den Neubau im nahe gelegenen Steinbruch gebrochen und beigefahren.

Als 1982/83 die ersten Schäden als Folge der Abbaumaßnahmen der Grube Ensdorf im Dorf auftraten, zeigten sie für die Filialkirche einen verhängnisvollen Verlauf: eine tektonische Störung verlief diagonal unter der Kirche und verursachte zunächst den Totalschaden an den hier genutzten Räumen.
Schon zu diesem Zeitpunkt wurden von den Fachleuten des Bergbaues hinsichtlich der Bausubstanz der Kirche zwei Varianten diskutiert:

a) aufwendige Sanierung des bestehenden Bauwerkes ohne Garantie auf andauernde Wirksamkeit
b) Neubau einer Kirche an einer anderen Stelle im Dorf

Nach Abwägung aller Argumente und Bewertungen der verfügbaren technischen Möglichkeiten blieb unter Beachtung wirtschaftlicher Gesichtspunkte nur der Vorschlag, eine neue Kirche zu bauen und das bestehende Bauwerk aufzugeben. Der beabsichtigte Kirchenneubau löste erwartungsgemäß heftige Diskussionen aus. Der Verwaltungsrat der Pfarrgemeinde beauftragte den Kapellenbauverein, vor Ort das Meinungsbild zu erfragen und eine nach demokratischen Grundsätzen gebildete Entscheidung herbeizuführen.
Nachdem sich der Kapellenbauverein neu konstituierte und satzungsgemäß als Kirchenbauverein Obersalbach-Kurhof e.V. beim Amtsgericht Saarbrücken eingetragen wurde sowie vom Finanzamt die Gemeinnützigkeit erhielt, konnte er sich diesem Auftrag stellen.

Nach harten Verhandlungen sowohl mit dem Bergbau als auch mit der Finanzabteilung des Generalvikariates Trier war am 25. Juni 1992 die Vereinbarung über die Finanzierung “in trockenen Tüchern”. Auf dieser Grundlage fasste die Mitgliederversammlung des Kirchenbauvereins am 31.Januar 1993 folgenden Beschluss:

“Neubau einer Kirche in Obersalbach auf dem bereits vorhandenen (angekauften) Grundstück gegenüber dem Dorfgemeinschaftshaus ohne finanzielle Verpflichtungen für Obersalbacher Bürger.” Der Beschluss wurde einstimmig, ohne Gegenstimmen und ohne Enthaltungen gefasst. Die den Kirchenbau ablehnende Minderheit beteiligte sich allerdings nicht an der Abstimmung.


Neubau


Am 11. Juli 1994 vereinbarte man im Kirchenbauverein abschließend folgende Rahmenbedingungen für die Planung der neuen Kirche:

Beachtung der liturgischen Vorgaben des zweiten Vatikanischen Konzils, Versammlung um den Altar, weg vom Bühnen-Zuschauer-Schema, Altar ist Zentrum des Raumes

Größenordnung nach Vorgabe der Baufibel des Generalvikariats, Grundfläche ca. 200 qm, 150 bis 200 Sitzplätze, Erweiterungsreserve

“Echtes Bauwerk” aus heimischen Baustoffen ohne vor gehängte Fassaden oder Betonaufbauten

Versammlungsraum ohne ablenkende Glasdurchsichten, eher introvertiert, konzentrierter Lichteinfall durch farbige Oberlichter, evtl. zentraler Lichteinfall über dem Altar

Übernahme der Altargruppe, des Kreuzweges, der Figuren und evtl. der Bänke aus der alten Kirche

Ohne störende Beschallungsanlage

Weiterhin Weihe an “Maria Königin”

Anpassung an das vorgesehene Baugelände mit Einbeziehung der vorhandenen “Scheune”

Baukosten (ohne Baunebenkosten für die Genehmigungen, Honorare für Arch.- und Ing.- Leistungen, Gebühren u. ä.) einschl. Grundstück und Inneneinrichtung begrenzt auf 3,1 Mio. DM

Von dieser Summe trägt die Pfarrgemeinde 1,8 Mio. DM (Abfindung des Bergbaues für die alte Kirche), das Bistum übernimmt die restlichen Baukosten sowie die Baunebenkosten


Auf der Grundlage dieser Rahmenbedingungen lobte das Generalvikariat im Januar 1995 für fünf Architekturbüros einen beschränkten Wettbewerb aus, wovon vier sich der Aufgabe stellten

Die gemeinsam mit dem Diözesanarchitekten berufene Jury beriet am 22. März 1995, unter dem Vorsitz von Herrn Prof. Wächter von der TH Darmstadt, im Dorfgemeinschaftshaus nach ausgiebiger Vorstellung der Entwürfe durch die Architekten im Beisein vieler Obersalbacher Bürger sowie der Schüler der Grundschule und entschied sich für die Annahme des Entwurfs des Architekten-Duos Thomas Britz und Peter Alt aus Saarbrücken

Ihr Entwurfsansatz:

Solitärbau, der sich bewusst nicht in das Ortsbild einfügt

Standort ist die topographisch tiefste Stelle im Ort

Vom zentralen Straßenkreuz her deutlich erkennbar, in die Anliegerstraße eingreifend

Ohne eigenständigen Kirchenturm, Glockenaufhängung frei wählbar

Bauform ist “ausgeschnittene” Vierung aus einer mittelgroßen Kirche in Kreuzform (Langhaus, Querhaus)

Joch ohne ausgeprägte axiale Anordnung, ein Zentralraum

Dieser klassische Ansatz wird durch “Ostung” des Bauwerks verstärkt.

Anwendung der liturgischen Zahlen 3, 4, 7, 12 oder Vielfache davon, angelehnt an alte Kirchenbaukunst

Ausrichtung zum Vorplatz, zum Dorfgemeinschaftshaus, bedingt Hauptzugang durch eingeschnittene Vorhalle an Chorraumrückwand.
Über quadratischem Grundriss mit 16,00 m Kantenlänge eines Kubus, als Dachform zwei sich kreuzende Tonnengewölbe, die in der halben Raumhöhe ansetzen.

Innen ein eingestellter, gedeckter “Kreuzgang” als hölzerne Schale, eine zweite Haut, auch Platzreserve.

Heller, triumähnlicher Patio bis Gewölbeunterkante und dunkle Geborgenheit im Kreuzgang.
Dachlaterne im Gewölbescheitel belichtet das Zentrum mit dem Altar, liturgische Bedeutun.

Indirekte Beleuchtung aus der Vorhalle betont Chorraumrückwand

Portalartige Fassadengestaltung jeder Außenwand mit einbezogenem, buntverglastem, halbrundem Fenster auf halber Raumhöhe ansetzend, die geistige Dimension der “vier Tore Jerusalems” aufgreifend

Altar dreiseitig von den Plätzen der Gemeinde umstellt, Versammlungsmittelpunkt

Dach als sich kreuzende Tonnengewölbe in Holzbinderkonstruktion, außen patinierte Kupferstegbleche, innen weißer Akustikputz

Es gelang den beiden Architekten bei der Präsentation ihres Entwurfes, jede ihrer Ideen auf der Basis von Glauben und Liturgie zu erklären.


Chronologie des Kirchenbaues

 

06. Oktober 1996: Grundsteinlegung im Rahmen des Erntedankfestes

10. Mai 1998: Glockenweihe

21. Mai 1998:
11.00 Uhr, das letzte der vier Fenster wird eingesetzt
15.00 Uhr, weltlicher Festakt zur Kirchenweihe

24. Mai 1998: Konsekration des Altars und Kirchenweihe durch Weihbischof Karl-Heinz Jakoby