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In diesem Monat....

Liebe Mitchristen,

Einschnitte.
Dieses Wort kam mir kürzlich in den Sinn, als ich an das Ende der Sommer(ferien)zeit habe denken müssen und kurz darauf in den Nachrichten die Erde bzw. Wälder in verschiedensten Ländern Europas habe brennen sehen. Beides sehr unterschiedlich? Mag sein. Die Bedeutsamkeit der beiden Gedankengänge mögen sehr unterschiedlich gedeutet werden, und die Auswirkungen sowie Wirkmächtigkeit sind sicher andere. Einschnitte im Leben derer, für die gerade der Schulalltag mit all seinen Herausforderungen - für die Kinder und die Familien als Gesamtpaket - wieder neu begonnen hat; die neue (nicht nur Schul-)Wege bestreiten müssen, sich neu zurechtfinden müssen. Durchaus lebensrelevant, weil lebensverändernd – aber mit dem Wissen, dass auch dieser Einschnitt bald schon zur Alltäglichkeit werden wird, die eigene Herausforderungen mit sich bringt. Ein Neuanfang, dessen grundsätzlich „gute und positive“ Ausrichtung bereits impliziert ist.
Und dann die real sichtbaren Schneisen, die in Wälder geschlagen werden. Bäume und Sträucher, die radikal vernichtet werden, um schlimmeres Unheil durch die näherziehenden Feuersbrunsten zu verhindern. Rein optisch wirkt das zunächst wie eine offene Wunde, in dem sonst doch so dicht und hoch gewachsenen Wald. Aber: Im Laufe der Zeit entwickelt sich dort neue Vegetation, manch neue Tierarten finden ihr Zuhause und Leben gedeiht (übrigens irgendwann auch dort, wo die Feuer zunächst nur Asche und Staub hinterließen).

In jedem unserer Leben gibt es hin und wieder Einschnitte, die Gewohntes zunächst einmal durchbrechen – oft mit einer leicht zu erkennenden positiven Richtung. Vielleicht dürfen wir auch die drei Priesterjubiläen, die wir in unserer Pfarreiengemeinschaft haben miteinander feiern dürfen, als dankbaren Ausdruck für eine Entscheidung zu einem radikalen Lebenseinschnitt verstehen, die vor Jahrzehnten von drei jungen Männern getroffen haben, als sie sich in den priesterlichen Dienst stellten und entsprechend (und für viele Menschen mit positiven Erfahrungen verbunden) gewirkt haben. Deren großes Zutrauen in Gottes Nähe und seinen Beistand dürfen wir uns gerne zum Beispiel nehmen, wenn unser Leben von – wie auch immer gearteten - Einschnitten betroffen ist.
Wieder ganz anders, aber auch sichtbare Zeichen: Die „Votivtafeln“, die sich an unseren Mariengrotten finden. Auch sie zeugen für mich von diesem Gottvertrauen. Und Dankbarkeit für ein Überwinden von Not und Bedrohung findet seinen Ausdruck für alle lesbar und fest verortet auf diesen Tafeln. Wie viele Geschichten von Lebenseinbrüchen mögen dort wohl verborgen sein?
Wir feiern 70 Jahre Espengrotte: Vielleicht darf man dieses Fest einmal auch unter diesem Aspekt unseres Glaubenslebens betrachten. Als eines der Zeichen von der unendlichen Nähe Gottes, auch – und gerade wenn unser Leben so manches Mal auch auf schmerzhafteste Weise zerschnitten wird und im wahrsten Sinne des Wortes ein Sterben das Leben durchbricht.
Aber irgendwann, so dürfen wir vertrauend hoffen, kommt das Leben wieder zum Vorschein und sucht sich seinen Weg!
 
Herzlich, Ihre Gemeindereferentin Jessica Schneider