2008 – Schicksalsjahr für St. Blasius und Martinus

Ein Artikel aus der Saarbrücker Zeitung vom 06. Juni 2026

SAARWELLINGEN · Was an der Kirche St. Blasiusund Martinus in Saarwellingen zuerst auffällt,ist die immense Höhe, die das Bauwerk erreicht: Mit 62,10 Metern gehört der Turm zuden höchsten im Saarland. Seit dem Jahr 1900 überragt er den Ort und die Gegend weithinsichtbar.
Das Jahr 2008 enthielt gleich zwei große Ereignisse für den Turm, ein positives und ein negatives. Zuerst wurde er in Mitleidenschaft gezogen durch das schwere Grubenbeben am 23. Februar jenes Jahres. Damals regnete es Gesteinsbrocken vom Turm auf die Treppe zum Eingangsportal. Dortsah es aus wie nach einem Bombenangriff. Glücklicherweise befand sich das Turmkreuz mit Hahn zu diesem Zeitpunkt nicht an Ort und Stelle, sonst wärees womöglich auch in die Tiefe gestürzt. Es war bereits 2003 abgebaut worden, weil bei Reparaturarbeiten festgestellt wurde, dass seine Standfestigkeit nicht gewährleistet war.
Der Förderverein Kirchengemeinde St. Blasius hatte deshalb 2007 beschlossen, seiner Arbeit einen neuen Schwerpunkt zu geben. Unter dem Motto „Wir treiben den Hahn auf die Spitze“ sammelte der Verein bei mehreren Aktionen Geld ein für die Wiederherstellung der korrekten Turmspitze. Das Grubenbeben be-schleunigte das Vorhaben dann sogar: „Waren vor diesem Zeitpunkt die Restaurierung beziehungsweise Erneuerung von Turmkreuz und Hahn noch fürdas Jahr 2009 geplant, musste – als Folge der Grubenschäden – mit den Arbeiten sofort im Frühjahr 2008 begonnen werden“, heißt es im Vorstandsbericht des Vereins. Damals wie heute stand Otmar Dräger dem Verein vor. Mittlerweile ist der Rentner auch Vorsitzender des Verwaltungsrats der fusionierten Pfarrei Saarwellingen St. Josef, zu der St. Blasius und Martinus zählt. Dräger erinnert sich noch gut an den 5. September 2008, als mithilfe eines riesigen Kranwagens zunächst das Turmkreuz und später auch der Hahn auf die Spitze gehievt wurden. „Da war das halbe Dorf da.“ Das war dann auch das positive Ereignis des Jahres 2008. An jenem Tag wurde der Pfarrei vom Förderverein auch noch ein Scheck über 19.000 Euro übergeben.
Die Situation am Ende des 19. Jahrhunderts stellte sich natürlich noch mal ganz anders dar. Damals war es keine Turmspitze, für die gesammelt wurde, sondern eine ganze Kirche. Die Zahl der Katholiken war schließlich innerhalb weniger Jahrzehnte von 1.900 auf 2.900 gestiegen. Die alte Kirche konnte solche Zahlen nicht mehr bewältigen, selbst bei Abhaltung von drei Sonntagsmessen. 1897 wurde der Bauplan vom Trierer Generalvikariat bewilligt, die geplanten Gesamtkosten lagen bei 102.800 Mark. Architekt Ernst Brand aus Karlsruhe (später Trier) kam der Gemeinde entgegen, indem er dem damaligen Pfarrer Christian Kees versprach, nur die Hälfte des sonst üblichen Honorars zu berechnen. Für die benötigten Sandsteine wurde im Saarwellinger Gemeindewald extra ein Steinbruch angelegt. Am 24. Juli 1898 konnte feierlich der Grundstein für St. Blasius und Martinus gelegt werden, knapp zwei Jahrespäter wurde das neogotische Bauwerk eingeweiht. 1903 kam die erste Orgel auf die Empore, erbaut vom Orgelbauer Gerhardt aus Boppard. 1953 wurde das Instrument von der französischen Firma Haerpfer & Erman ersetzt. Unter Verwendung von Material dieser beiden Orgeln baute die Firma Walcker 1995 das aktuelle Instrument in die Kirche ein.
Dräger wurde in der Kirche getauft und hat dort geheiratet. Welches Detail des Gotteshauses würde er hervorheben? Er nennt den Josefsaltar. Der habe schließlich durch die Fusion zur Pfarrei St. Josef am 1. Januar 2025 eine neue Bedeutung gewonnen. Imposanter ist sicherlich der Hochaltar mit seinen reichhaltigen Verzierungen, biblischen Darstellungen und Heiligenfiguren. Beide stammen aus der Hand des Münchner Bildhauers August Alteneder und kamen schon 1901 in die Kirche.
Um den Ende der 1970er-Jahre entstandenen Kreuzweg habe es viele Diskussionen gegeben, erinnert sich Dräger. Das Werk von Josef Welling wirkt moderner als die alte Kirchenkunst, daher nahmen erst einmal viele Gläubige Anstoß daran. Aus heutiger Sicht wirkt daran allerdings nichts skandalös.
Derzeit steht die Renovierung der Kirchenportale an. Techniker hätten festgestellt, dass einer der schweren Türflügel möglicherweise aus der Verankerung herausfallen könnte, erzählt Dräger. Das mittlere Hauptportal und das rechte Seitenportal bleiben deswegen aus Sicherheitsgründen bis zum Abschluss der laufenden Sanierungsarbeiten geschlossen.
Auf der Seite Momente stellt die Saarbrücker Zeitung im Wechsel Kirchen und Lebenswege Verstorbener vor.
